So wie es ist, kann es nicht bleiben

von | 29. Sep. 2022 | Termine

am 06.10.2022 um 18:30 Uhr Lesung mit Thiemo Kirmse
Eine andere Welt ist möglich – Lasst uns drüber reden, wie sie aussieht – Utopia22

Infos aus der Webseite des Autors, damit Du erahnen kannst, was bei den Lesungen auf Dich zukommt:

So wie es ist, kann es nicht bleiben
Eine andere Welt ist möglich – Lasst uns drüber reden, wie sie aussieht – Utopia22
Einen Input gibt uns Thiemo Kirmse, er stellt das von der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausgegebene Buch „Kapitalismus aufheben – Eine Einladung, über Utopie und Transformation neu Nachzudenken“ von Stefan Meretz und Simon Sutterlütti vor und schildert uns, wie er selbst auf die Idee kam eine Utopie zu formulieren und sie auf der Webseite utopia22.de zu bewerben.

Die beiden im Commensinstitut aktiven Autoren schreiben über ihr Buch:
«Kapitalismus aufheben»? Gehört der Kapitalismus nicht eher abgeschafft und überwunden? Nun, Aufhebung betont, dass wir den Kapitalismus nicht einfach abschaffen können, wir müssen etwas Neues an seine Stelle setzen. Eine gesellschaftliche Transformation hat immer drei Aspekte: Etwas wird beendet (Abschaffung), etwas geht weiter (Bewahrung) und etwas wird auf eine qualitativ neue Stufe gehoben (Entwicklung). So gilt es beispielsweise den Verwertungszwang abzuschaffen, bestimmte Produktionsverfahren zu bewahren und die globale Verfügung über unsere Lebensbedingungen qualitativ so zu gestalten, dass niemand mehr herausfällt. Um alle drei Aspekte geht es bei einer Transformation, und wir werden in diesem Buch immer wieder den einen oder anderen Aspekt hervorheben.
Weshalb schreiben wir dieses Buch? Wir fühlen uns als Teil einer Bewegung, die in Richtung einer befreiten, solidarischen Gesellschaft strebt.

Thiemo Kirmse hat eine Utopie auf 57 Seiten ausformuliert und schreibt darüber auf seiner Webseite:
Die Welt im Jahr 2022 ist in einem mehr als besorgniserregendem Zustand. Die sich zuspitzenden Konflikte zwischen den USA und dem Westen auf der einen Seite und Russland und China auf der anderen Seite führen die Menschheit an den Rand des Abgrunds. Der Krieg in der Ukraine ist ein alarmierendes Beispiel. Neben der Gefahr durch einen Atomkrieg gibt es mit dem Klimawandel und der Zerstörung unserer Biosphäre eine zweite Bedrohung, die kaum weniger existentiell ist. Die Aushöhlung unserer Demokratien und das Erstarken nationalistischer und autoritärer Strömungen sind eine dritte große Gefahr. Den Hintergrund dieser dreifachen Gefahr des Untergangs bildet die kapitalistische Wirtschaftsweise, die viel mehr ist als reine Ökonomie. Sie ist alles zur gleichen Zeit: Politik, Ökonomie und Gesellschaftsform und sie ist vor allem und mehr als alles andere destruktiv und mit allen drei Gefahren des Untergangs aufs engste verbunden.
Eine andere Welt ist möglich!
Dabei könnte alles ganz anders sein, denn es stimmt: „Eine andere Welt ist möglich!“ Die jetzige Welt ist menschengemacht und genauso lässt sich auch eine ganz andere Welt gestalten. In Ansätzen ist diese Welt schon heute zu sehen – in vielen kleinen Initiativen und alternativen Entwürfen. Nur fehlt eine Vorstellung vom großen Ganzen und vom Leben in einer anderen – in einer utopischen – Welt. Wie könnte eine solche aussehen und wie könnte sie funktionieren?

Eine utopische Welt
Die utopische Welt könnte eine Welt ohne Grenzen sein, in der sich jeder Mensch frei bewegen kann und hingehen kann, wohin immer er möchte. Eine Welt ohne Staaten und Nationen, die keine Kriege und größeren Konflikte mehr kennt, weil es nichts mehr gibt, worum es sich zu streiten lohnte, da alles allen gehörte oder – was auf das gleiche hinausläuft – niemandem irgendetwas.
Bis auf das kleine und private Eigentum wäre alles andere Gemeineigentum. Das Land, das Wasser und alles was darin, darauf und darunter ist und all die Dinge im Produktionsprozess gehörten niemanden. Der Mensch würde sich selbst nur noch als Teil der Natur und nicht als der Mittelpunkt von allem betrachten.
In der utopischen Welt hätte niemand – kein Mensch und keine Organisation – politische oder ökonomische und auch keine andere Form von Macht. Die vollständige Beschränkung von Macht in jedweder Form wäre ein Grundpfeiler der utopischen Welt. Ein globales Netzwerk lokaler Räte umspannte dabei die Erde und leitete die Geschicke in der Kommune.
Die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen nach Nahrung, nach einem geschützten Wohnraum, nach gesundheitlicher Versorgung und nach körperlicher Unversehrtheit wären garantiert. Statt auf Konkurrenz würde man auf Kooperation setzen und nach dem Bedarf produzieren. Geld wäre nur noch ein Mittel zum Zweck und Profit ein Fremdwort.
Lohnabhängige Arbeiten gäbe es nicht mehr. Das wenige an notwendiger Arbeit wäre gerecht unter den Menschen verteilt und die Grenzen von Arbeit und Leben wäre aufgelöst, weil eine Unterscheidung kaum zu treffen ist.
Die Herausforderung für die Menschen in der utopischen Welt läge nicht in einer Übermenge an harter Arbeit, sondern darin sich selbst zu entfalten, sich nach seinen eigenen Vorstellungen zu entwickeln und sich selbstbestimmt und sinnvoll zu beschäftigen.

Über sich selbst schreibt er:
Vor rund zwanzig Jahren erwachte in mir so langsam ein politisches Interesse, das schon damals systemkritisch, das heißt kapitalismuskritisch war. Ich las ein wenig, scheiterte im Ansatz zarte Bande zu einer politischen Aktivität zu knüpfen und widmete mich anderen Dingen. Zehn Jahre später startete ich im Jahr 2011 anlässlich der Finanz- und späteren Eurokrise fast schlagartig mit einem politischen Engagement – erst bei Attac und dann in der Occupy-Bewegung. System- und kapitalismuskritisch war auch dieses Engagement von Beginn an. Diese Phase, die schön und zugleich anstrengend war und in der ich viele sehr liebe und interessante Menschen kennenlernen durfte, dauerte wenige Jahre.
Das Engagement wurde geringer und in den Vordergrund trat für mich die Frage danach wie „die Dinge sind“ oder anders gesagt die Frage danach wie „das System funktioniert“. Den Fragen nach der Funktionsweise von Politik und Ökonomie widmete ich eine längere Zeit. Dass das kapitalistische System nicht so richtig gut ist, kann man schon am ersten Tag erkennen. Wenn man wissen will, wie es genauer ausschaut, dann ist das Ende offen und das Spektrum der Fragestellungen kann beliebig erweitert werden. Mit der – wenn man so will – Systemanalyse beschäftigte ich mich immer wieder nebenbei, langsam, aber stetig, gar nicht wissenschaftlich, sondern laienhaft und „auf eigene Faust“. Ich suchte stets nach einem insgesamt konsistenten Bild.
Wenn man viele kritische und nicht so gute Dinge im System entdeckt, dann wirft das naturgemäß auch die Frage auf, wie es besser gehen könnte – die vielen einzelnen Dinge und vor allem auch das große Ganze. Im Grunde kamen die Antworten auf diese Fragen, wie es also besser gehen könnte, wie von selbst. Es benötigte noch ein wenig Feinschliff und mit sehr viel Spaß bei der Arbeit ist daraus die Skizze einer utopischen Weltgesellschaft geworden.
Wie sich die Welt weiterentwickeln wird, steht in den Sternen. Ob wir in einer dystopischen Welt landen, unseren Weg zu einer Utopie finden oder ob es noch ganz anders wird, wissen wir nicht. Das eine mag wahrscheinlicher sein als das andere. Sicher ist aber, dass es immer Möglichkeiten gibt, denn „Future is unwritten“.

Und sonst so?
Und sonst bewege ich mich gerne, nicht nur geistig, sondern auch körperlich. Am liebsten zu Fuß. Viel zu selten, dafür um so lieber in den Bergen. In jedem Fall aber draußen – das ganze mal mehr, mal weniger schnell.
Außerdem steckt die Mathematik irgendwie in meiner DNA. Zwei Dinge habe ich in den sieben Jahren meines Studiums, in denen ich wenig mehr als Mathematik gemacht habe, vor allen Dingen gelernt und schätzen gelernt: Das Lernen selbst und die Klarheit und Präzison der mathematischen Sprache. Das Letztgenannte habe ich versucht mir auch außerhalb der Mathematik zu eigen zu machen. Ich übe immer noch.

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